8. Nachtwandel im Jungbusch

BESUCHERECHO

Ein Wandel durch die Nacht – erlebte Integration im Jungbusch?

ein Stimmungsbericht der Nachtwandlerin Monika Kuzel

Wer hätte es für möglich gehalten – in Zeiten von Thilo Sarrazins populistischem Machwerk, endlosen Kopftuchdiskussionen und unzähligen Talkshows zum Thema Integration – in dieser einen besonderen Nacht in diesem einen besonderen Stadtteil in Mannheim scheint es möglich zu sein!

Aber nicht nur die verschiedenen Nationalitäten scheinen sich in dieser Nacht zu integrieren. Da wandelt das kulturbegeisterte, gut situierte Paar aus dem Lindenhof – sie im adretten Mäntelchen und auch er im feinen Zwirn – vorbei an mannshohen Skulpturen aus Metall, einem Essensstand mit leckeren italienischen Bratwürsten und weit geöffneten Kneipentüren aus denen Musik, Rauch und Partylärm quillt.

Direkt daneben am Kiosk ein weit geöffneter dunkelblauer Riesenmercedes, umvölkert von lautstarken Männern, Frauen und Kindern – zugewandert aus den so genannten „Ländern Südosteuropas“. Und dazwischen immer wieder spielende Kindern italienischer oder türkischer Abstammung, Jugendliche mit schlecht sitzenden Hosen und natürlich all die Menschen, die einfach hier im Jungbusch leben und heute Nacht ihren Stadtteil feiern

Aus einem Fenster im Erdgeschoss schaut ein neugieriges Rentnerpaar – ganz klassisch auf ein Kissen gelehnt – was in ihrer Straße plötzlich alles los ist!

Am Verbindungskanal hinter der Kaufmannmühle kann man einen Feuerschlucker bestaunen, der eine Theaterperformance begleitet und direkt vor der Bühne am Quartiersplatz, auf der eine Gruppe Jugendlicher eine Breakdance Nummer vorführt, steht eine junge Mutter mit ihrem Baby auf dem Arm und beide schauen fasziniert zu.

Weiter geht’s zur Fatih Moschee, wo man empfangen wird von perfekt deutsch sprechenden jungen türkischen Mädchen und während man versucht der Führung zu folgen, hört man aus dem benachbarten „Mucki-Studio“ laute 80iger Jahre Live Musik – nichts wie auf in den nächsten Hof.

Liebevoll gestaltete, grüne Innenhöfe, wunderschön restaurierte Altbauwohnungen mit tollen Illustrationen an den Wänden des Riesenflurs, technisch aufwändige gestaltete Lichtinstallationen – es scheint nichts zu geben, was es hier nicht gibt. Draußen zieht derweil eine deutsche Trommelgruppe mit afrikanischer Percussionmusik durch die Straßen – auch das eine lustige Erscheinungsform gelebter und erlebter Integration.

Am Sektstand vor dem Kult- und Kulturcafé Cafga trinkt man edlen Champagner während gegenüber – why not – neugierige Nachtwandel-Touristen in die Why Not- Bar strömen. Und ab einem gewissen Zeitpunkt am späten Abend verwandelt sich die Jungbuschstraße in eine lärmende Partymeile mit trinkenden und feiernden Menschen, was ein wenig an die Hamburger Reeperbahn am Samstagabend erinnert.

Man findet sie alle hier – Rentner und Rapper, Jugendliche mit Migrationshintergrund neben teuer gekleideten Pärchen, die staunend durch die Hinterhöfe ziehen: So sieht das also aus im Jungbusch; diesem Stadtteil mit dem „hohen Ausländeranteil“, der berühmten Popakademie und der größten Moschee Deutschlands……

Alles vermischt sich mit allem – Kunst mit Trash, Kultur mit Kommerz, Jung mit Alt, Deutsch mit Türkisch, Islam mit Christentum……alle Generationen, alle Nationalitäten, alle sozialen Schichten – hier wandeln sie gemeinsam durch die Nacht – wunderbar!


Der Jungbusch ist sprudelndes Leben

 
 
 
 
 
 

Nachtwandel

Unglaublich vielfältigBereits auf der Feier zum 25jährigen Jubiläum konnte ich sehen, wie stolz die Bürger des Jungbusches auf ihren Stadtteil sind. Der Jungbusch hat Charakter. Seine gewachsene Geschichte – dieses Viertel wäre beinahe ausgelöscht worden! – sowie die bunte Mischung von Menschen und der Nachkommen der damaligen Hafenarbeiter verleiht diesem Viertel echte Identität. Das Viertel hat Charakter, weil die Menschen Charakter haben. Diese Energie hat mich bezaubert.Nach 20 Jahren im romantischen Heidelberg habe ich nirgendwo solch lebendige und reiche Vielfalt gefunden. Und der Nachtwandel, der den Jungbusch weit öffnet und in seine Seele eintauchen lässt, hatte eine regelrechte Sogwirkung auf mich. So schlenderte ich durch die dunklen Straßen mit all ihren köstlichen Düften und poetischen Rezeptionen, die durch die Luft schwirrten. Vorbei an Gianni´s Pizzaladen in der Beilstraße und dem Sackträger-Denkmal warf ich einen Blick in die Onkel Otto Bar, in diverse Hinterhöfe und kreative Werkstätten. Überall überkam mich das gleiche Gefühl: Leben. Der Jungbusch ist sprudelndes Leben mit Menschenvoller Charakter. Und so fuhr ich mit dem Gefühl nach Hause: Wie gern würde ich dort auch leben. Sigrid F.

Bereits in einiger Nähe zum Jungbusch verspürte man einen geheimnisvollen Sog zum Nachtwandel hin, die Gangart unserer Gruppe wurde zunehmend schneller je näher wir kamen. Angekommen wurde mir schnell klar, dass hier etwas Spannendes stattfindet: Stadtteilbewohner, die sich mit hauptsächlich studentischem – aber auch gemischtem Publikum auf vielerlei Bühnen zum einen begegneten, zum anderen auf ihre Weise zeigten, dass sie in anderen Welten leben. Überragend fand ich schließlich das unglaublich vielfältige Angebot zwischen Dancefloor, ästhetischem Erleben und Flair
Martin Roth


 
 
LESUNG – KONZERT – THEATER – INSTALLATION – PERFORMANCE – FILM – AUSSTELLUNG
 
8. Nachtwandel im Jungbusch
am 21. und 22. Oktober 2011, 20 bis 02 Uhr

Das Quartiermanagement, Laboratorio17, das Kulturamt und viele Mitstreiter haben sich dafür eingesetzt, dass auch in diesem Jahr das Kulturfest im Jungbusch stattfinden kann. Mit Unterstützung von Sponsoren und tatkräftiger Mithilfe von Kulturbewegten konnten wir wieder ein vielseitiges und attraktives Programm ermöglichen.

Der Jungbusch, in dem Menschen aus über 80 Nationen leben, wird auch bei der achten Auflage des Nachtwandels all jene Facetten zeigen, die im ehemaligen Hafenviertel stecken. Insgesamt 80 verschiedene Programmpunkte an über 50 verschiedenen Locations warten auf die Besucherinnen und Besucher.

Unterstützen Sie den Nachtwandel mit dem Solistern!

Letztes Jahr haben wir den Nachtwandel gerettet, kurz bevor ihm das Licht ausging. Das gelang auch mit der Hilfe der Stadt Mannheim und vielen ehrenamtlichen Organisatoren. Darüber freuten wir uns sehr.  Um auch beim Nachtwandel 2011 wieder ein attraktives Programm ohne Eintritt bieten zu können, verteilen wir wie im letzten Jahr gegen eine kleine Spende den Solistern. Ein blauer, blinkender LED-Stern als Anhänger und als Zeichen der Unterstützung für den Nachtwandel. Man kann ihn während des diesjährigen Nachtwandels bei mobilen Stationen, aber auch in verschiedenen Locations für mindestens 5 Euro (gerne mehr!) erwerben. Für diejenigen, die keine 5 Euro oder mehr opfern können, wird es noch einen kleinen Solibutton mit blauem Stern für 2 Euro geben.


Sternstunde der Jungbuschkultur  -  80 Programmpunkte an 50 verschiedenen Orten

8. Nachtwandel im Jungbusch am 21. und 22. Oktober 2011, 20 bis 02 Uhr

Zwischen Hafen und City wandelt sich der Jungbusch zu einem atmosphärischen und urbanen Stadtteil. Beim Nachtwandel füllen Künstler und Kulturschaffende Läden, Lager, Hinterhöfe, Moscheen, Kirchen, Galerien und andere Locations, die für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Jungbusch stehen, mit Kunst und Kultur. Spannende Programmpunkte an ganz verschiedenen Orten warten auch in diesem Jahr auf die Besucherinnen und Besucher.

Das detaillierte Programm finden Sie auf www.nachtwandel-im-jungbusch.de.
Den Programmfolder finden Sie  hier als PDF-Datei.

Weit über 150 Kreative sind beim 8. Nachtwandel 2011 mit dabei, der am Samstag, 21.10. und Sonntag, 22.10., jeweils von 20 bis 2 Uhr stattfinden wird.

Die offizielle Eröffnung in Beisein von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz findet am Freitag, 21.10. um 21 Uhr vor der Jungbuschhalle plus X, Werftstraße statt. Musiker und Künstler aus Stadtteil und Stadt umrahmen das Programm.

Wir laden Sie ein, durch den Jungbusch zu wandeln und ihn in einem neuen Licht zu erleben.

Programmfolder sind im Gemeinschaftszentrum Jungbusch und in vielen Kneipen und Locations erhältlich.

Erste Anlaufstelle und Info-Point ist laboratorio17 in der Jungbuschstraße 17.

Bitte beachten Sie, dass während der Veranstaltung von 20.00-2.00 Uhr die Einfahrt vom Luisenring in die Jungbuschstraße gesperrt ist.

Bitte benutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, da nur begrenzt Parkplätze vorhanden sind. Die RNV bietet je eine Zusatzfahrt der Linie 60 ab Hafenstraße um 01:04 und 01:34 Uhr über Haltestelle Teufelsbrücke in den beiden Wandelnächten zum Hauptbahnhof an.

Parkmöglichkeiten bestehen: am Musikpark Neckarvorlandstraße im MVV-Parkdeck Am Salzkai und in der Tiefgarage H6 Swansea-Platz

Infos zur Anreise finden Sie » hier

Die Jungbuschhalle plus X in der Werftstraße steht auch nach dem Nachtwandel für Veranstaltungen aller Art zur Verfügung. Infos zur Anmietung unter Telefon 0621-1 49 48.

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Pressemitteilung

Der Jungbusch wird wieder seine kulturellen Schatzkammern öffnen
- 8. Nachtwandel im Jungbusch am 21. und 22.10.2011, 20 bis 2 Uhr

Mehr als 12.000 Menschen haben im letzten Jahren den Nachtwandel im Jungbusch besucht. Mit wachsendem Selbstbewusstsein zeigt der lebendige Stadtteil seine Qualitäten und seine Einzigartigkeit: eben ungewöhnlich, lebendig, vielseitig, anregend und aufregend, teilweise auch widersprüchlich. Beim Nachtwandel füllen Künstler und Kulturschaffende Läden, Lager, Hinterhöfe, Moscheen, Kirchen, Galerien und andere Locations, die für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Jungbusch stehen, mit Kunst und Kultur. Spannende Programmpunkte an ganz verschiedenen Orten warten auch in diesem Jahr auf die Besucherinnen und Besucher.

Der im Jungbusch spürbare Wandel zum lebendigen, vielfältigen Quartier und Stadtentwicklungsgebiet wird dadurch auf spannende Weise begleitet. Das Quartiermanagement im Gemeinschaftszentrum Jungbusch und die Künstlergruppe Laboratorio17 als Veranstalter verfolgen in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Mannheim das Ziel, sowohl den sozialen Zusammenhalt im Quartier zu stärken und die unterschiedlichen ethnischen Gruppen mit ihren Kulturen zu beteiligen, als auch den Wandel im Jungbusch nach außen zu präsentieren.

Beim achten Nachtwandel werden erneut Künstler und Kreativgruppen die schillernden Seiten des dynamischen Stadtteils ins Licht rücken. Die Resonanz ist vielversprechend, sodass auch in diesem Jahr mit über 60 verschiedenen Programmpunkten zu rechnen ist. Lesungen, Theateraufführungen, Ausstellungen und musikalische Ereignisse sowie Film-, Foto- und Performancevorführungen warten auf die Besucher aus Mannheim und der Metropolregion. Über 150 Künstler und Kulturschaffende sowie Kreative aus Stadtteil und Stadt bereiten sich auf das Kulturfest vor, das in diesem Jahr am 21. und 22. Oktober von 20 bis 2 Uhr stattfinden wird.

Beim diesjährigen Nachtwandel setzen sich das Quartiermanagement Jungbusch und die Künstlergruppe Laboratorio17 in enger Zusammenarbeit mit dem Kulturamt das Ziel, Orte des Stadtteils in ein neues Licht zu setzen, die für den Wandel und die Veränderung im Jungbusch stehen. Beim Nachtwandel bietet sich zudem die Möglichkeit, viele Hinterhöfe und Häuser aus der Gründerzeit zu besuchen, die außerhalb des Nachtwandels nur schwer zu besichtigen sind. Das Programm ist wie immer interkulturell.

Dass Straßen und Plätze beim Nachtwandel zur Bühne werden ist ein weiteres Markenzeichen des Nachtwandel im Jungbusch.
Bürgerschaftliches Engagement, öffentliche Mittel und Gelder der Wirtschaft machen das Kulturereignis in einem Dreiklang erst möglich. Ohne die Fördermittel der Stadt Mannheim, des Landes Baden-Württemberg aus dem Programm Soziale Stadt und des Bezirksbeirates Innenstadt/Jungbusch hätten die Veranstalter das Ereignis nicht realisieren können. Dank des großzügigen Sponsorings der privaten Wirtschaft können die Veranstalter erneut ein vielfältiges und lebendiges Programm präsentieren. Zu den Förderern zählen die GBG-Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft, die Bauunternehmung Sax + Klee, das Stadtmarketing Mannheim, das Unternehmen FST und Müllerdruck Mannheim – prints + forms.

Seit dem letzten Jahr kümmert sich ein Organisationskreis mit ehrenamtlich Engagierten aus dem Jungbusch um viele Aufgaben, was die enge Verbundenheit mit dem eigenen Stadtteil spiegelt. Wie im letzten Jahr werden wieder Freiwillige mit blauen blinkenden Sternen unterwegs sein, um kleine Spenden zu sammeln, damit der Nachtwandel auch weiterhin im Kulturkalender der Stadt Mannheim stehen kann. Auch viele Gastronomen aus dem Jungbusch leisten in diesem Jahr einen Solidarbeitrag. All dies macht deutlich, dass der Nachtwandel weit mehr als ein zweitägiges Kulturfest ist.
Den Termin vorzumerken lohnt sich also, denn “der Nachtwandel wird auch in diesem Jahr wieder nach innen und außen ausstrahlen und viele spannende Begegnungen ermöglichen “, so Quartiermanager Michael Scheuermann, der sich auch darüber freut, dass im Jahr des 25jährigens Bestehens des Gemeinschaftszentrum Jungbusch Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz den 8. Nachtwandel eröffnen wird.

Weitere Informationen:

Quartiermanagement Jungbusch, Jungbuschstraße 19

Tel. 0621 14948

nachtwandel@jungbuschzentrum.de

oder auf www.facebook.com

Mehr als 12.000 Menschen aus Stadtteil, Stadt und Metropolregion besuchten das Kulturfest im letzten Jahr. Wir sind uns sicher, dass es dieses Jahr noch mehr werden.

 

 

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