Bewohnerbefragung

Mäßige Stimmung aber viele Verbesserungen
- Bewohnerbefragung im Jungbusch -

Was sind die wichtigsten Themen im Jungbusch? Was hat sich im Stadtteil zum Positiven, was zum Negativen verändert? Wie werden die diversen Angebote und Situationen im Jungbusch eingeschätzt? All das waren Fragen, die das Quartiermanagement im April und Mai dieses Jahres den Bewohnern des Jungbuschs stellte, um die Einschätzungen der Betroffenen noch stärker in alle Überlegungen und Planungen zur Zukunft des Stadtteils einzubeziehen. Neben zwei Straßenaktionen mit direkten Interviews wurden die Fragebögen über die Kindergärten, Schulen, Pfarreien, Moscheen und Vereine verteilt und lagen an öffentlichen Stellen aus wie zum Beispiel in Geschäften und der Arztpraxis. Insgesamt 286 Bewohner äußerten auf diese Weise ihre Meinung zur aktuellen Situation im Quartier. Es wurde darauf geachtet, dass die unterschiedlichen Gruppen (Frauen, Männer, deutsche und ausländische Mitbewohner, die unterschiedlichen Altersgruppen) angemessen vertreten waren. Erste Auszählungen liegen nun vor.

Mittelmäßige Stimmung im Quartier
Bei der Frage nach verschiedenen Themen und Situationen im Jungbusch konnten die Schulnoten 1 bis 6 vergeben werden (Grafik 1). Von den insgesamt 17 Situationen wurde nur eine von den Befragten durchschnittlich mit befriedigend bewertet: das Kulturelle Angebot. Neun weitere Situationen liegen zwischen befriedigend und ausreichend. Weitere sieben Fragen wurden mit ausreichend bis mangelhaft durchschnittlich bewertet. Auf den letzten vier Rängen lagen die Verkehrsituation, die Armut im Quartier, das Angebot an Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie die Arbeitslosigkeit. Man ist also mäßig zufrieden. Doch bleibt hier abzuwarten, was die Feinauszählung bringt, denn Durchschnittswerte geben auch nur die durchschnittliche Meinung wieder. Es kann also durchaus sein, dass ein Teil der Bevölkerung sehr zufrieden und der andere Teil ganz unzufrieden ist.

Manches hat sich verbessert, doch es fehlt an Ausbildung und Arbeit
Was hat sich den letzten 10 Jahren verbessert oder verschlechtert? Dies war die zweite Frage, die an die Bewohnerschaft gerichtet wurden (Grafik 2). Die größten Verbesserungen wurden hier beim kulturellen Angebot sowie beim Angebot für Kinder und Jugendliche gesehen. Aber auch das Bildungs- und Schulangebot, das Zusammenleben sowie die Angebote an Sport und Freizeit schnitten relativ gut ab. Sogar bei der Frage des Verhältnisses zwischen Deutschen und Ausländern sehen mehr Bewohner Veränderungen zum Guten als zum Schlechten.
Die Einkaufssituation führt dann die Liste der Themen an, bei denen die Mehrheit der Bewohnerschaft Verschlechterungen statt Verbesserungen sieht. Der Zustand des Wohnumfeldes und des öffentlichen Raums folgt. Auf den unteren Rängen liegt wenig überraschend der Verkehr. Mehr als ein Drittel fand, dass die Verkehrssituation schlechter geworden sei.
Doch die schlechtesten Wertungen in diesem Bereich betrafen die Armut, das Angebot an Arbeits- und Ausbildungsplätzen und – ganz vorne – die Arbeitslosigkeit im Quartier.

Der Verkehr läuft verkehrt!
Gefragt wurde zuletzt nach den drei Themen, die für die Stadtteilentwicklung am wichtigsten sind. Dabei steht die Verkehrsentlastung auf der Liste der Notwendigkeiten mit weitem Abstand an erster Stelle (Grafik 3). Ebenfalls von großer Bedeutung für die Bewohnerschaft ist die Verbesserung der Einkaufssituation, gefolgt von den Angeboten für Kinder und Jugendliche. Großer Handlungsbedarf wird auch bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gesehen.

Experten aus Stadtteil und Stadt suchen nach Lösungen
Die Diskussion über die Ergebnisse der Befragung ist bereits in vollem Gange. Gemeinsam mit Verantwortlichen der zuständigen Fachbereiche und der Kommunalpolitik erörterten Bewohner, Hauseigentümer, Gewerbetreibende und Sozialakteure die wichtigsten Themen. Auf der Juni-Sitzung des Koordinierungskreises wurde vielfach deutlich und ganz konkret, wo im Alltag der Schuh drückt. Die Sauberkeit auf der Böckstraße, die Schließung des Lidl-Marktes in den H-Quadraten sowie das schwierige Miteinander verschiedener Gruppen auf der Fußgängerzone Beilstraße prägten die Diskussion. Die mögliche Ansiedlung eines Nahversorgers auf dem ehemaligen Yaman-Gelände könnte die Einkaufssituation schon bald verbessern. Die vor einem Jahr gestartete Spielplatzbetreuung auf der Beilstraße zeigt sich als wichtige Initiative für die Akzeptanz des Spielgeländes. Die Verkehrsberuhigung auf der Dalbergstraße steht noch im Juli 2005 – und damit erneut – auf der Tagesordnung des Mannheimer Gemeinderats. Damit hat die Befragung ein erstes wichtiges Ziel erreicht: die brennendsten Zukunftsfragen zu beleuchten und gemeinsam konkrete Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Michael Scheuermann

Grafiken zum Download

Grafiken zum Download

Grafik 1: Wie schätzen Sie die Situation ein?

Grafik 2: Veränderungen im Stadtteil

Grafik 3: Welche Themen finden Sie am wichtigsten?

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Grafik 3: Welche Themen finden Sie am wichtigsten? Datei downloaden_ (36 Kb)

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